BRUCKNER, Anton 1824 – 1896 | Eigenhändiger Brief mit eigh. Unterschrift 1868

BRUCKNER, Anton 1824 – 1896  | 
Eigenhändiger Brief mit eigh. Unterschrift 1868

€ 6.000 – 10.000
An den Domdechant

28,6 x 22,7 cm
3 Seiten
Signiert, datiert:
Dankschuldigster
Diener
Anton Bruckner

Wien, den 8. Dezember 1868

Euer Hochwürden und Gnaden!
Hochwohlgeborener Herr Domdechant!

Vor Allem muß ich danken für alles erwiesene Gute. Nie, in Ewigkeit nie, werde ich das vergessen. Wie schwer mir der Abschied von Euer Gnaden fiel, das zu beschreiben verschweige ich aus Rücksicht für meine Nerven. Ich finde keine Worte zu sagen wie bitter ich (Seite 2)
Ihre Nähe vermisse. Auch entbehre ich leider außer H. Pat. Schneeweis, der mich neulich besuchte, jeden geistl. Umgang. Sonst bin ich ganz gesund und wohl; man ist mit mir sogar zuvorkommend. Meine Kirche ist meistens die Kapelle des Bürger=Versorgungshauses, oder St. Stephan und Hofkapelle. In die Conzerte und Hofoper habe ich freien Eintritt. Meine Messe wird im Jänner aufgeführt, da noch Proben nöthig sind, auch war Immhof nicht zu Hause. Ich hoffe sicher, daß es mir möglich sein wird, die Weihnachten in Linz zu erleben.
Da (Seite 3)
werden Euer Gnaden grausam von mir umlagert werden; wie ich mich freue – ich tröste mich, daß Hochselber sich doch einen kleinen Begriff vom Glücke meines Zusammenseins mit Ihnen machen können. Auch auf den Hochwürdigsten H. Bischof freue ich mich überaus. Bitte unterthänigst meinen ehrfurchtsvollsten Handkuß Sr. Bisch. Gnaden entrichten zu wollen; am 3. Dez. habe ich wohl gebethet–aber nicht geschrieben; ich weiß die Adresse nicht, u getraute mir auch nicht.
Indem ich den Frl. Schwestern meinen Handkuß bitte [sic!], verharre ich in Dankbarkeit und Ehrfurcht Ihre Hände küssend
Euer Hochwürden und Gnaden
Dankschuldigster
Diener
Anton Bruckner

Wien, den 8. Dezember 1868
NB Wohne: Währingerstraße 41
Provenienz
Privatbesitz Oberösterreich