SCHUBERT, Franz 1797 – 1828 | Das Dörfchen, Quartett für Männerstimmen mit Klavier, D 598

SCHUBERT, Franz 1797 – 1828 | 
Das Dörfchen, Quartett

€ 30.000 – 60.000

Musikmanuskript 1. Fassung ohne Klavier, autographe Partitur. 7 autographe Seiten, 8. Seite unbeschrieben. Querformat, 12 zeilig 1. Seite oben links bezeichnet: Allegretto das Dörfchen Ten I Ten II Basso I Basso II mittig bezeichnet: Quartetto 18 oben rechts datiert, signiert: Dezember 1817 Schubertmpia
Das Dörfchen ist das erste Vokalquartett Franz Schuberts das öffentlich aufgeführt wurde. (7. März 1829 im Kärntnertortheater) Der junge Johann Nestroy später Theaterdichter wirkte mit als Bassist

Eines von dem beliebten Liedern von Schubert

Gedicht von Gottfried August Bürger (1747–1794)

Ich rühme mir
Mein Dörfchen hier!
Denn schön're Auen,
Als rings umher
Die Blicke schauen,
Blüh'n nirgends mehr.
Welch ein Gefilde,
Zum schönsten Bilde
Für Dietrichs Hand!
Hier Felsenwand,
Dort Aehrenfelder
Und Wiesengrün,
Dem blaue Wälder
Die Gränze ziehn!
In jener Höhe
Die Schäferey,
Und in der Nähe
Mein Sorgenfrey!
So nenn' ich meine
Geliebte, kleine
Einsiedeley,
Worin ich lebe,
Zur Lust versteckt,
Die ein Gewebe
Von Ulm' und Rebe
Grün überdeckt.

Dort kränzen Schlehen
Die braune Kluft,
Und Pappeln wehen
In blauer Luft.
Mit sanftem Rieseln
Schleicht hier gemach
Auf Silberkieseln
Ein heller Bach;
Fließt unter Zweigen,
Die über ihn
Sich wölbend neigen,
Bald schüchtern hin;
Läßt bald im Spiegel
Den grünen Hügel,
Wo Lämmer gehn,
Des Ufers Büschchen
Und alle Fischchen
Im Grunde sehn,
Da gleiten Schmerlen
Und blasen Perlen.
Ihr schneller Lauf
Geht bald hinnieder,
Und bald herauf
Zur Fläche wieder.

Schön ist die Flur;
Allein Elise
Macht sie mir nur
Zum Paradiese.

Der erste Blick
Des Morgens wecket
Auch unser Glück.
Nur leicht bedecket
Führt sie mich hin,
Wo Florens Beete
Die Königin
Der Morgenröthe
Mit Thränen näßt,
Und Perlen blitzen
Von allen Spitzen
Des Grases läßt.
Die Knospe spaltet
Die volle Brust;
Die Blume faltet
Sich auf zur Lust.
Sie blüht, und blühet
Doch schöner nicht,
Als das Gesicht
Elisens glühet.

Wanns heißer wird
Geht man selbander
Zu dem Mäander,
Der unten irrt.
Da sinkt zum Bade
Der Schäferinn,
An das Gestade,
Das Röckchen hin.
Soll ich nicht eilen,
Die Lust zu theilen? --
Der Tag ist schwül,
Geheim die Stelle,
Und klar und kühl
Die Badequelle.

Ein leichtes Mahl
Mehrt dann die Zahl
Von unsern Freuden.
In weichem Gras,
An Pappelweiden,
Steht zwischen Beyden
Das volle Glas.
Der Trunk erweitert
Nun bald das Herz,
Und Witz erheitert
Den sanften Scherz.
Sie kömmt, und winket,
Und schenkt mir ein,
Doch lachend trinket
Sie selbst den Wein;
Flieht dann und dünket
Sich gut versteckt;
Doch bald entdeckt,
Muß sie mit Küssen
Den Frevel büßen.

Drauf mischet sie
Die Melodie
Der süßen Kehle
In das Ahi
Der Philomele,
Die so voll Seele
Nie sang, wie sie.

So zirkeln immer
Lust und Genuß,
Und Ueberdruß,
Befällt uns nimmer.

O Seligkeit!
Daß doch die Zeit
Dich nie zerstöre!
Mir frisches Blut,
Ihr treuen Muth
Und Reiz gewähre!
Das Glück mag dann,
Mit vollen Händen,
An Jedermann,
Der schleppen kann,
Sich arm verschwenden.
Ich seh' es an,
Entfernt vom Neide,
Und stimme dann
Mein Liedchen an,
Zum Tanz der Freude:
Ich rühme mir
Mein Dörfchen hier!