HORVATH, von Ödön 1901-1938 | Eigh. Brief an Paul Fent mit eigh. Unterschrift

HORVATH, von Ödön 1901-1938 | Eigh. Brief an Paul Fent mit eigh. Unterschrift

€ 2.000 – 3.000
2 Blatt, 3 Seiten Autograph
Eigh. Briefkuvert mit Adresse
Lebenslauf

Henndorf/ Bei Salzburg am 30. Nov. 37

Mein lieber Paul Fent,

hier will ich Ihnen nur einige Daten meines Lebens schicken, sie sind äusserlich so uninteressant aber ich kann nix dafür.

Also:Geboren am 9. Dez. 1901 im Fiume an der blauen Adria, lebte fast nie in Ungarn, immer im Ausland, wechselte in der Mittelschule 4x die Unterrichtssprache, war ein fauler, unaufmerksamer Schüler, absolvierte jedes Jahr nur mit Gewaltigem Ach und Krach. Dann studierte ich 5 Semester Psychologie(ausgerechnet!) und es wurde mir zu fad, weil ich nicht folgen konnte. Ich war dann in einem Verlag tätig, ging weg. Weil ich nichts davon verstand. Fuhr nach Paris auf 1 ½ Jahr wo es mir wirklich mies ging und dann fing ich an zu schreiben, zuerst am „Simplicissimus“, dann Theaterstücke, die wurden gleich aufgeführt, das erste an den Hamburger Kammerspielen 1927. War ein enormer Durchfall, dasselbe Stück aber 29 in der Berliner Volksbühne ein Riesenerfolg. Dann „Italienische Nacht“ in Berlin und ebenfalls bei Reinhardt „Geschichten aus dem Wienerwald“. 1931 erhielt ich den Kleistpreis. Die weiteren Stücke wurden von mir uraufgeführt in Berlin (Kasimir und Karoline) Zürich (Hin und her) Prag (Figaro lässt sich scheiden; Dorf ohne Männer). Jetzt erschien der Roman „Jugend ohne Gott“. Und im Frühjahr wird ein neuer erscheinen. Das ist alles. Damit ist es auch schon aus mit mir.

Letzte Seite links am Rande: Bin zur Zeit im III Reich ungemein unerwünscht

Viele herzliche Grüße
Ihr
Ödön Horváth

Grüße an Ihre Frau !!

Unveröffentlichter Lebenslauf