MUSIL, Robert 1880 – 1942 | Eigenöndiger Brief an Franz Blei mit eigenhändiger Unterschrift 1930

MUSIL, Robert 1880 – 1942 | Eigenöndiger Brief an Franz Blei mit eigenhändiger Unterschrift 1930

€ 1.000 – 2.000
1 Blatt, A4, 1 Seite
An Franz Blei

Wien, 19 Jänner 1930.

Lieber Freund!
Ich kann nichts für den Besuch, den ich Ihnen schickte, der Mann hat mich darum gebeten und zur Legitimation zwingend erzählt, daß er eine sehr begeisterte Rezension über Sie geschrieben habe. Darum kann ich seinen Steckbrief auch erst nachtragen: er ist die sonderbarste Mischung von sudetendeutscher, verläßlich zäher Stiefelsohle mit mystischem. Er schreibt wie ein Ausgabenbuch und kennt sich in der Literatur der Entzückung aus. Außerdem schreibt er selbst in drei Arten: nüchtern, blöd und zuweilen merkwürdig gut. Schade, daß ich Ihnen das nicht rechtzeitig sagen gekonnt, Sie hätten sich vielleicht besser unterhalten. Er hat mir übrigens nicht gesagt, daß er von Ihnen eine Empfehlung, sondern daß er Sie besuchen will. Ich bin jetzt bei den letzten 9. Schon halbfertigen Kapiteln (von 121) des ersten Bandes, also wirklich am Ende; aber dadurch auch angesichts aller Unzulänglichkeiten, die mir unterlaufen sind, so daß jetzt noch ein Vor- und Zurückschreiben angeht, das mir die Zeit knapp macht. Ich bin sicher, gegen Ende Februar klar zum Druck zu sein und weil ich bei der Korrektur nicht Wesentliches mehr ändern will, hätte Row. wohl Zeit, das Buch noch im März herauszubringen. Immerhin spielt da eine Woche mehr oder weniger eine Rolle; Row. würde eine Ablieferung anfangs Februar sehr viel lieber sehn, ich auch, aber dazu würde sehr < Sau > gehören.
Ich komme also jedenfalls im Februar nach Berlin. Ich glaube nicht, daß man sich nicht hinter 1750 einfühlen kann, möchte es nämlich selbst bis vor – 5000 tun, - natürlich nur in gewissem Sinn – und wahrscheinlich sind wir gar nicht im Widerspruch, aber ich möchte darüber gerne mit Ihnen sprechen.

Herzliche Grüße!
Ihr Musil.